Sommerloch im Recruiting...oder doch nicht?

3 minvon Bettina Prennsberger 02. August 2017

Image Designed by Freepik

Es ist Juli und an der Recruiting-Front wird es plötzlich sehr still. Wer in der HR-Branche tätig ist, kennt das Phänomen: In den Sommermonaten während der Urlaubssaison können plötzlich Dinge aufgearbeitet werden, zu denen man unter dem Jahr nicht kommt. Projekte werden geplant oder es wird auch bereits mit deren Umsetzung begonnen - trotz der urlaubsbedingten Abwesenheit einiger Kollegen und Kolleginnen. Die Vorbereitung der Mitarbeitergespräche zum Jahresende wird in Angriff genommen, der Auftritt in den Social Media wird auf Vordermann gebracht, etc. Vor oder während des Sommers sind Mitarbeiter tendenziell wenig wechselmotiviert, weshalb sich die Anzahl der Recruiting-Projekte in dieser Zeit eher in Grenzen hält. So weit zur Theorie.

Doch heuer ist alles anders...

Wer gedacht hat, dass er auch heuer nach dem Sommer mit Projektfortschritten oder gar –abschlüssen glänzen (oder sich schon früher aus dem Büro und ins Freibad stehlen) kann, wird diesen Sommer wahrscheinlich enttäuscht. Die jüngsten Zahlen vom AMS scheinen meinen Eindruck vom verschwundenen Sommerloch zu bestätigen. Das AMS verzeichnet im Juni 2017 einen Zuwachs um fast 40% bei den offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr, das sind österreichweit fast 17.000 offene Stellen mehr als noch im Juni 2016. Kein Wunder also, wenn man aus HR-Kreisen ein lautes Schnaufen vernimmt, da es keineswegs ruhig wird an der Recruiting-Front.

Bildschirmfoto 2017-09-01 um 21.47.47

Quelle: in Anlehnung an Arbeitsmarkservice Österreich, Abt. Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation: http://www.ams.at/docs/001uebersicht_aktuell.pdf

Angebot und Nachfrage

Auch der Arbeitsmarkt wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Bei einer erhöhten Nachfrage an Arbeitskräften lohnt sich der Blick auf die Angebotsseite. Die Zahlen des AMS zeigen einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um exakt 5% im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften um rund 40% gestiegen ist, wohingegen das Angebot an (frei verfügbaren) Arbeitskräften sogar um 5% geringer ist (aktuell knapp über 300.000 arbeitslose Personen ohne Schulungsteilnehmer). In absoluten Zahlen gesprochen gibt es also rund 17.000 offene Stellen mehr und 16.000 arbeitslose Personen weniger als noch im Vorjahr.

Arbeitslose

Quelle: in Anlehnung an Arbeitsmarkservice Österreich, Abt. Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation: http://www.ams.at/docs/001uebersicht_aktuell.pdf

Offene Stellen zu besetzen wird also nicht leichter. Wie eingangs erwähnt ist die Wechselmotivation im Sommer tendenziell eher gering. Wer gerade in einem aufrechten Dienstverhältnis steht, möchte seinen wohlverdienten Urlaub auch genießen und wird zumindest über den Sommer wenig Gedanken an anstrengende Recruiting-Prozesse verschwenden. Wer gerade auf Jobsuche ist, wird wahrscheinlich auch erst nach dem Sommer durchstarten und die Gelegenheit für einen längeren Urlaub wahrnehmen. Hat man aus Unternehmenssicht dann doch das Glück, dass sich geeignete Kandidaten bewerben, heißt es, alle Hebel in Bewegung zu setzen. Da hilft es nicht gerade, dass Gesprächstermine bzw. die Abwicklung des Recruiting-Prozesses aufgrund von Abwesenheiten von Entscheidungsträgern im Sommer häufig ausgebremst werden. Der einzige Trost hier ist, dass auch andere Unternehmen wahrscheinlich mit der gleichen Herausforderung konfrontiert sind.

Fazit

Es zeigt sich also, dass zumindest heuer aus Unternehmenssicht nicht mit einem Sommerloch im Recruiting zu rechnen ist. Die Wirtschaft boomt, es gibt viele offene Stellen zu besetzen und der Kampf um qualifizierte Bewerber ist den Sommer über in einer besonders heißen ;-) Phase. Spricht man mit Personalberatern, so hört man auch von diesen, dass es diesen Sommer über nicht einfach ist, Recruiting-Projekte abzuschließen – von denen es aber genug gibt. Mein Tipp lautet daher: Einen kühlen Kopf bewahren, den Recruiting-Prozess den Sommer über möglichst schlank und effizient gestalten (sind z.B. tatsächlich 3 Gesprächsrunden nötig?) und dann heißt es auch für HR-Verantwortliche: Ab in den Urlaub!

Veröffentlicht in:  
Recruiting & Employer Branding

Bleiben Sie informiert

Abonnieren Sie unseren Newsletter und verpassen Sie künftig keine Beiträge rund um die Themen Recruiting & Employer Branding, Tipps & Tricks und Recht.