Digitalisierung im HR – oder auch „Wird ein Chatbot bald meinen Job stehlen?“

3 minvon Bettina Prennsberger 09. August 2017

Unser ganzes Leben wird zunehmend digitalisiert. Wir schließen Versicherungen über wenige Klicks am Smartphone ab und bezahlen im Supermarkt kontaktlos mit der Bankomatkarte. Der Pizzalieferant trifft uns vor der Haustür, weil wir die Pizza bereits „mobile“ übers Smartphone bestellt und bezahlt haben, während wir noch im Zug auf dem Heimweg waren. Und wer auf seinen Hausverstand (oder seine Hausverständin?) hört, lässt sich den Wocheneinkauf per Mausklick bequem nach Hause liefern. Auch in der HR Branche tut sich in puncto Digitalisierung einiges.

Status Quo

Längst werden Bewerbungen nicht mehr per Post und auch immer seltener per E-Mail verschickt. Online-Portale ermöglichen auch mehrfache Bewerbungen mit wenigen (bei manchen Plattformen auch ein paar mehr) Mausklicks – oder in vielen Fällen über eine App am Smartphone. Recruiter verfügen dank des Bewerbermanagement-Systems über eine übersichtliche Darstellung aller Positionen und Bewerber in jeder Phase des Bewerbungsprozesses. Dahinterliegende Datenbanken ermöglichen das Speichern wertvoller Informationen zu Qualifikation, bisherigen Erfahrungen uvm. (Welche Auswirkungen die neue Datenschutz Grundverordnung „DSGV“ der EU auf derartige Bewerbermanagement-Tools hat, wird in einem künftigen Blogbeitrag erläutert – das sollten Sie nicht verpassen). Bewerbungsgespräche werden mittlerweile häufig digital – per Videokonferenz – über die ganze Welt geführt. Tagelange Assessment-Center mit hochpreisigen Assessoren werden durch günstigere Online-Assessments und Bewerbertests ersetzt.

Chatbots als Recruiter-Ersatz?

Eine noch relativ junge Entwicklung sind Chatbots. Diese ermöglichen eine automatisierte Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden, oder in der HR Branche eben den Bewerbern. Aktuell ist die Technologie zumindest in Österreich noch nicht ganz ausgereift. Chatbots sollen aber schon bald nicht nur die vermeintlich lästigen Pflichten des Recruiters (Terminvereinbarungen, FAQs beantworten, etc.) sondern auch in der so wertvollen Vorselektion und Bewertung der Kandidaten mittels künstlicher Intelligenz unterstützen. Böse Zungen behaupten sogar, dass über kurz oder lang keine Recruiter "aus Fleisch und Blut" mehr erforderlich seien. Hier beginne ich erstmals, die schier unbegrenzte Macht des technischen Fortschritts ein wenig anzuzweifeln. Natürlich stimmt es, dass sowohl Bewerber als auch HR-Verantwortliche in den allermeisten Fällen von innovativen Entwicklungen technischer Natur profitieren. Aus meiner Sicht tickt aber gerade der HR Bereich etwas anders als viele andere Arbeits- und Lebenswelten. Ohne Frage ist ein effizientes Bewerbermanagement-System unerlässlich und es empfiehlt sich daher, in dieser Hinsicht auf den Zug der Digitalisierung aufzuspringen. Gleiches gilt auch für andere erwähnte technische Hilfsmittel wie Videokonferenzen zur Überbrückung großer Distanzen oder die Speicherung von Bewerberinformationen in Datenbanken (selbstverständlich nur mit Zustimmung des Bewerbers). Doch bei aller Euphorie um Effizienz und Kostenersparnis sollte man eines immer bedenken:

Im Zentrum steht der Mensch.

Personalauswahl ist kein Bereich, den man durch Chatbots gänzlich ersetzen bzw. auslagern kann. Standardisierte Schritte (automatische Absagen, Geduldsmails, etc.) können durchaus von einem Chatbot sinnvollerweise übernommen werden. Auch eine technische Lösung für die Unterstützung in der ersten - groben - Vorauswahl z.B. durch Analyse der vorkommenden Schlagworte ist durchaus positiv anzusehen. Der persönliche oder telefonische Kontakt mit Bewerbern bringt allerdings so viele Erkenntnisse – fernab von Schlagwörtern in CVs oder Auswertungen von Online-Fragebögen für Bewerber ;-) Es wäre doch schade, diese so wichtigen Eindrücke aufzugeben, um ein wenig Zeit zu sparen und die Kommunikation gänzlich an einen Chatbot auszulagern. Denn bei aller angestrebten Objektivität und Automatisierung – ein wenig Bauchgefühl ist doch bei jeder Personalentscheidung dabei. Und bis Chatbots mit Bauchgefühl technisch ausgereift sind fließt noch viel Wasser den Berg hinunter...

Veröffentlicht in:  
Recruiting & Employer Branding

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